Fonds Landschaft Schweiz (FLS) Fonds Suisse pour le Paysage (FSP) Fondo Svizzero per il Paesaggio (FSP) Fond Svizzer per la Cuntrada (FSC)

 

Schön fürs Auge, förderlich für die Biodiversität

Trockenmauern bauen – dieses traditionelle Handwerk hat in den letzten 25 Jahren eine wahre Renaissance erfahren. Es ist neuerdings als "immaterielles Kulturerbe der Menschheit" anerkannt. Mit der Förderung unzähliger Trockenmauer-Projekte hat der FLS zu dieser Erfolgsgeschichte beigetragen. Doch es bleibt viel zu tun – und zwar gezielt: Es gilt weiterhin, schöne Landschaften mit Trockenmauern zu erhalten und zugleich Sorge zu tragen zur Biodiversität.

Trockenmauern stünden «immer in perfekter Harmonie mit der Umwelt», und ihre Bautechnik sei typisch für «eine harmonische Beziehung zwischen den Menschen und der Natur»: Mit solchen Worten hat das Zwischenstaatliche Komitee für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes am 29. November 2018 seinen Entscheid begründet, die Handwerkskunst des Trockenmauerbaus auf die «Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit» aufzunehmen. Das Spezialgremium der Uno-Sonderorganisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) akzeptierte damit die Kandidatur, die acht Staaten gemeinsam eingereicht hatten. Darunter war nach Vorarbeiten, an denen sich unter Führung des Bundesamts für Kultur auch der FLS beteiligt hatte, auch die Schweiz.

Klassischer Förderbereich des FLS

Solche naturnahen Kulturlandschaften erhalten, aufwerten und wiederherstellen zu helfen, ist seit seiner Gründung im Jahr 1991 zentrale Aufgabe des Fonds Landschaft Schweiz FLS. Es erstaunt deshalb nicht, dass Instandstellungen von zerfallenden Trockenmauern zu den häufigsten Projektarten zählen, die der FLS beratend und finanziell fördert. Wie viele Kilometer Trockenmauern dank FLS-Unterstützung bereits renoviert worden sind, lässt sich statistisch nicht einfach feststellen. Immerhin kann aus der Projekt-Datenbank des FLS abgeleitet werden, dass er im ersten Vierteljahrhundert seines Bestehens etwa 250 reine Trockenmauer-Projekte mit rund 14 Millionen Franken gefördert hat. Hinzu kommt die Unterstützung von Projekten, die verschiedene Massnahmen umfassten und auf Kulturlandschaften ausgerichtet waren, die stark von Trockenmauern geprägt sind.

Beim Sanieren schonen und wiederbeleben

Wie Simone Jakob, Biologin im Bündner Amt für Natur und Umwelt (ANU) an der Trockenmauern-Fachtagung des Kantons Graubünden dargelegt hat, führen Eingriffe in Trockenmauern in den ersten Jahren danach gar zu einem Verlust an Biodiversität. Ein breitangelegtes Forschungsprojekt auf der Alp Flix GR hat aber auch gezeigt, dass der Verlust mit geeigneten Massnahmen in Grenzen gehalten werden kann. Als wichtig hat sich beispielsweise erwiesen, zur Vegetation, die am Mauerfuss wächst, besondere Sorge zu tragen (Krautsaum), bewachsene Steine möglichst in gleicher Exposition wiederzuverwenden, noch intakte Mauerpartien stehen zu lassen und in erneuerten Mauern viele Spalten und Nischen offenzulassen.

Dadurch können wertvolle Lebensräume für eine grosse Vielfalt von Pflanzen- und Tierarten erhalten und auch neu geschaffen werden. Auf der Alp Flix zeigten sich positive Wirkungen insbesondere auch für die vielfältig vorkommenden Moose, Flechten und Schmetterlinge. Es gibt auch Möglichkeiten, die Besiedlung sanierter Trockenmauern aktiv zu fördern: Der Schweizer Vogelschutz/BirdLife Schweiz hat zum Beispiel mit Unterstützung des FLS ein Merkblatt herausgegeben, wie dem gefährdeten Wiedehopf durch den Einbau von speziellen Nisthilfen geeigneter Unterschlupf geboten werden kann.

Weitere Informationen der Trockenmauern-Fachtagung 2019 des Kantons Graubünden

Weitere Informationen zur Trockenmauer-Sanierung auf der Alp Flix

Weitere Informationen zu Wiedehopf-Nisthilfen


Drei Beispiele für unterstützte Trockenmauer-Projekte

In der neusten Ausgabe des kostenlos abonnierbaren FLS-Bulletins werden drei aussergewöhnliche Trockenmauer-Projekte präsentiert:

  • In Cavaione bei Brusio im Graubünden wird eine unvergleichliche Terrassenlandschaft aufgewertet. Die Sanierung von Trockenmauern, die vom FLS mitfinanziert wird, ist nur eine Komponente des ganzheitlichen Projekts. Es will eine nachhaltige Bewirtschaftung des Gebiets von Cavaione sicherstellen und Arbeitseinsätze zur Unterstützung der Bauern erleichtern.
  • Auf der Passhöhe des Grossen St. Bernhard verläuft die "Promenade des Chanoines". Eine imposante Trockenmauer stützt diesen traditionsreichen "Weg der Chorherren". Sie dient zugleich als Schutz für die Leitung, die das Hospiz mit lebenswichtigem Wasser versorgt. Mit viel Muskelkraft, Fachwissen und der Unterstützung des FLS wird dieses kunstvolle Bauwerk jetzt saniert.
  • In atemberaubender Lage auf dem Hochplateau der Baumgartenalp im Glarnerland schlängelt sich ein silbernes Band der Felskrete entlang: eine jahrhundertealte freistehende Trockenmauer, ununterbrochen rund einen Kilometer lang, bei klarer Sicht selbst vom Tödi aus erkennbar. Ihre vollständige Sanierung wird mit Unterstützung des FLS bald abgeschlossen sein.